OGM/KURIER-Umfrage: Alternative Spitzenkandidaten bei ÖVP und SPÖ?

Die ehemaligen Großparteien ÖVP und SPÖ sind im Umfragetief, was immer auch Personaldiskussionen auslöst. OGM hat im Auftrag des KURIER abgefragt, welche alternativen Personen an der Spitze von ÖVP und SPÖ aus Sicht der Befragten mehr Erfolg bringen würden (Mehrfachnennungen waren möglich).

Kommentar Wolfgang Bachmayer

Zur SPÖ

Die Wahlberechtigten trauen Hans Peter Doskozil am ehesten einen Aufschwung der SPÖ zu, was mehrere Gründe hat:

  • er gilt schon seit längerer Zeit als Kritiker und Herausforderer für den Parteivorsitz
  • er hat in „seinem“ Burgenland deutliche Wahlerfolge vorzuweisen
  • er fährt v.a. bei Migration schon seit Jahren einen anderen, „rechteren“ Kurs als die Bundespartei, was ihm vor allem Stimmen aus dem blauen Lager bringt (und in Verbindung mit seiner Betonung von bei SP-WählerInnen altbewährten Sozialthemen – dort spielen Budget und Schulden weniger Rolle –  wahrscheinlich auch tatsächlich bringen würde)

Allerdings kommt diese Mehrheit v.a. aus dem Befragten-Lager der FP-Wähler – ein deutlicher Hinweis darauf, dass viele nicht nur von der ÖVP, sondern auch von der SPÖ zur FPÖ gewechselt sind.

Aber in dieser Unterstützung aus dem „rechten“ Lager liegt das Problem für Doskozil: er als Parteiobmann würde vielleicht sogar eine Spaltung der SPÖ nach sich ziehen.

Weil nur jeder dritte SP-Anhänger sieht in Doskozil den Hoffnungsträger zurück zum Erfolg, mehr (40%) trauen das Markus Marterbauer eher zu. Aber auch Marterbauer würde wahrscheinlich mit seiner zwar pragmatischen, aber prononcierten Links-Position die SP-Lager auch mehr trennen als einen.

Die SPÖ braucht einen Kandidaten, der diese Lager eint und die unterschiedlichen ideologischen Positionen unter einen Hut bringt – soweit dies überhaupt möglich ist.

So betrachtet wäre Gerhard Zeiler die beste Alternative als Parteiobmann – aber der schneidet v.a. wegen seiner geringer Bekanntheit in dieser Umfrage am schwächsten ab, was sich ja ändern kann.

Zur ÖVP

Aus Sicht aller Wahlberechtigsten traut man Sebastian Kurz am ehesten zu (21%), die ÖVP aus dem aktuellen Tief wieder heraus zu holen. Diese Meinung kommt vor allem aus FPÖ- und ÖVP-Wählerkreisen, während er von links (SP, Grün) als nicht erfolgsträchtig (bzw. wünschenswert) gesehen wird.

Eine absolute Mehrheit traut das jedoch keinem/r der alternativen ÖVP-Parteiobleute zu. Das ist aber wenig verwunderlich, weil Oppositionsanhänger grundsätzlich die Erfolgschancen von Mitbewerbern kritisch betrachten.

Aussagkräftiger ist daher die Sichtweise in der VP-Wählerschaft. Dort traut man Kurz, knapp gefolgt von Hattmannsdorfer, am ehesten ein Wiedererstarken der ÖVP unter ihrer Führung zu. Auch Karoline Edtstadler hat ihre Fans in der ÖVP. Immerhin mehr als jeder vierte VP-Wähler traut aber keiner der abgefragten Alternativen einen sichtbaren Aufschwung zu – das könnte auch als ein Votum für den hier natürlich nicht abgefragten Kanzler Stocker gedeutet werden.

Q: OGM, Auftraggeber Kurier, Repräsentativbefragung, N=1.003, Feldzeit 14.-15.9.2026, Online-Interviews auf Basis des OGM-Befragtenpools. Genaue Fragestellung: „Wer würde für die … als Spitzenkandidat bei den nächsten Wahlen einen Erfolg mit sichtbarer Verbesserung im Vergleich zur aktuellen Situation bringen?“ (Mehrfachnennung möglich). Rest auf 100%: Anderes, weiß nicht, keine Angabe.

Bildnachweise: BKA/Andy Wenzel (2), Land Salzburg, Manfred Weis, Warner Brothers Discovery.