OGM/APA-Vertrauensindex NGOs 2025
Kommentar von Wolfgang Bachmayer
Die NGOs haben seit dem Vorjahr wesentlich an Vertrauen in der Öffentlichkeit verloren. Hauptursache ist der Missbrauchs-Skandal bei den SOS Kinderdörfern, der praktisch alle NGOs Vertrauen kostet.
Ein weiterer Grund für die breiten Vertrauensverluste ist die zunehmende politische Debatte über die NGOs als Groß-Lobbyisten und politischer Machtfaktor ohne demokratische Kontrolle oder durch Wahlen legitimiert zu sein.
OGM hat schon in den beiden letzten Jahren in seinen Kommentaren darauf hingewiesen, dass die damals äußerst hohen Vertrauenswerte der NGOs angesichts ihrer politischen Rolle und der geringen Transparenz ihrer Finanzquellen erstaunlich sind. In der Öffentlichkeit gelten sie meist als Organisationen – so schrieb OGM – die mit Hilfe zahlloser Kleinspender Gutes tun. Dabei sind viele NGOs Teil einer weltweiten Milliardenindustrie, deren Einnahmen nicht nur aus Spenden hilfsbereiter Menschen stammen, sondern in höherem Maße aus staatlichen Förderungen oder Zuwendungen von Sponsoren mit wirtschaftlichen Interessen.
Das gilt vor allem für die international tätigen NGOs und weniger für die nationalen Sozial- Organisationen, die zwar auch von Image- und Vertrauensverlusten in Folge von SOS-Kinderdorf betroffen sind, dies aber in abgeschwächtem Ausmaß.
Auf Grund der schwerwiegenden Glaubwürdigkeitsverluste rund um die SOS-Kinderdörfer, der zunehmenden Hinterfragung ihrer politischen Rolle und Lobbyismus-Aktivitäten, ihrer Intransparenz der Finanzierung und nicht zuletzt der Wirtschaftskrise mit der allgemeinen Teuerung und gleichzeitig geringeren verfügbaren Einkommen ist von einem deutlichen Rückgang der privaten Spendenbereitschaft auszugehen.
Trotz aller dieser Rückschläge sind die Vertrauenswerte in die NGOs weiterhin hoch. An der Spitze der Vertrauenspyramide steht das Rote Kreuz mit einem Vertrauenswert von plus 79, gefolgt von der Krebshilfe (76), den Rote Nasen Clowndoctors (73) und Ärzte ohne Grenzen (65) mit nur geringen Vertrauensverlusten seit 2024.

Das Hilfswerk, die Volkshilfe, die Aids-Hilfe und das Haus der Barmherzigkeit müssen ebenso nur geringe Vertrauensverluste hinnehmen, während andere Organisationen aus dem Kinder- und Jugendbereich wie Pro Juventute (24 Punkte Verlust gegenüber dem Vorjahr), Unicef (minus 15 Punkte Verlust) und SOS Mitmensch wegen der Namensähnlichkeit (Verlust minus 18 Punkte) von SOS Kinderdorf mitgerissen werden, aber trotzdem meist noch knapp im positiven Vertrauensbereich liegen.
Das absolute Schlusslicht sind die SOS Kinderdörfer, die von einem hohen Vertrauenssaldo aus dem Vorjahr (plus 63 Punkte) auf einen Vertrauenswert von minus 30 abstürzen.
Methodik: Für den Vertrauensindex NGOs wurden 1.026 repräsentativ ausgewählte ÖsterreicherInnen ab 16 Jahren im November 2025 befragt. Max. Schwankungsbreite 3,1%.Die Fragestellung ist seit Beginn des Vertrauensindex seit Jahrzehnten immer gleich und lautet „Vertrauen Sie … oder vertrauen Sie … nicht oder kennen Sie … nicht?“.
Der Vertrauenssaldo errechnet sich als Differenz der Prozentwerte „vertraue“ minus „vertraue nicht“. Für Zuwächse/Verluste im Zeitvergleich wird die Veränderung dieses Saldos gegenüber der letzten Erhebung herangezogen.
Medienberichte:
orf.at
Der Standard
Kurier
Vorarlberger Nachrichten
Kronen Zeitung
Niederösterreichische Nachrichten
Tiroler Tageszeitung
Salzburger Nachrichten
Oberösterreichische Nachrichten
Bezirksblätter
