APA/OGM Vertrauensindex Institutionen 2026

Kommentar von Johannes Klotz/OGM

Das Vertrauen der wahlberechtigten ÖsterreicherInnen in öffentliche Institutionen zeigt 2026 ein nach wie vor mehrheitlich positives Bild (ganz im Gegensatz zum Vertrauen in die politischen Akteure), jedoch mit einigen spürbaren Dämpfern im Vergleich zum Vorjahr.

Vertrauenssaldo | Jahresvergleich

Top-5 Auf- und Absteiger gegenüber 2025

Größte Zugewinne

Polizei +7
Nationalbank (OeNB) +6
Landesregierung meines Bundeslands +6
Statistik Austria +5
Schulen +5

Größte Verluste

Wirtschaftskammer −26
Bundesheer −9
ÖGK – Gesundheitskasse −8
Arbeiterkammer −8
ÖGB – Gewerkschaftsbund −7

Drastisch fällt der Vertrauensverlust bei der Wirtschaftskammer mit -26 Punkten aus (von einem Saldo von plus 8 im Vorjahr auf minus 18 aktuell). Der neuen WKO-Präsidentin Martha Schultz, die immerhin Reformschritte eingeleitet hat, ist dies nicht anzulasten, vielmehr kumulieren sich hier die äußerst schlechte Presse zur starken Erhöhung von Gehältern und Funktionärsbezügen mitten in der Wirtschaftskrise, der widerwillige Rücktritt von Harald Mahrer, kritische Rechnungshofberichte und die Affären um den zurückgetretenen Wiener Landespräsidenten Walter Ruck.

In Folge der WKO-Krise sind auch die anderen Kammern, Sozialpartner und Interessensvertretungen im öffentlichen Meinungsbild unter Druck geraten, wenn auch weit weniger stark. So verringerten sich gegenüber 2025 die Vertrauenssalden der Arbeiterkammer (-8; mit einem Saldo von plus 48 aber immer noch im Spitzenfeld), ÖGB (-7), Industriellenvereinigung (-6) und Landwirtschaftskammer (-5).

Ein Minus im Vergleich zum Vorjahr setzt es auch für ÖGK und Ärztekammer (Verschlechterungen im Gesundheitssystem), Fachhochschulen und Universitäten (Budgetkrise) und für das Bundesheer (Hin und Her bei der Wehrdienstreform, Berichte über Soldatenmangel).

Zu den Aufsteigern im Jahresvergleich zählen die Nationalbank (+6), Landesregierungen (+6; zunehmende Reformideen in Folge eines wahrgenommenen Stillstands in der Bundespolitik), die Statistik Austria und entgegen diversen medialen Horrorstorys auch die heimischen Schulen. Auch das Vertrauen in die Justiz, im Vorjahr durch den „Fall Anna“ unter Druck, hat sich trotz der aktuellen Diskussionen über Bundesstaatsanwaltschaft und Personalmangel wieder normalisiert (+4).

An der Spitze der Vertrauenspyramide steht seit Jahren die Polizei, die ihren Vertrauenssaldo noch einmal um 7 Punkte auf rekordverdächtige plus 76 steigern konnte. Ebenfalls seit Jahren stabil im Spitzenfeld liegen die Volksanwaltschaft, der Rechnungshof und der Verfassungsgerichtshof.

Am unteren Ende der Vertrauenspyramide stehen seit Jahren soziale Medien (Saldo minus 70) und die katholische Kirche (Saldo minus 30), auch die Bundesregierung liegt mit einem Saldo von minus 22 klar im negativen Bereich (aber nicht so tief wie die türkis-grüne Koalition 2023, damals minus 39).

Methodik: Für den Vertrauensindex Institutionen wurden 1.047 repräsentativ ausgewählte österreichische Wahlberechtigte im Oktober 2026 befragt. Max. Schwankungsbreite 3,0%. Die Fragestellung ist seit Beginn des Vertrauensindex seit Jahrzehnten immer gleich und lautet „Vertrauen Sie … oder vertrauen Sie … nicht oder kennen Sie … nicht?“. Der Vertrauenssaldo errechnet sich als Differenz der Prozentwerte „vertraue“ minus „vertraue nicht“. Zuwächse/Verluste im Zeitvergleich sind die Veränderung dieses Saldos gegenüber der letzten Erhebung.

Medienberichte:

Kurier
Salzburger Nachrichten
Oberösterreichische Nachrichten
Kleine Zeitung
NÖN
Tiroler Tageszeitung
Vorarlberger Nachrichten
OE24