OGM-Umfragen 2011-2026: trotz des „Fall Wöginger“ halten die Österreicher ihre Politiker nicht für korrupter als anderswo

Kommentar Johannes Klotz/OGM

Das Thema Korruption ist seit dem – nicht rechtskräftigen – Schuldspruch gegen Ex-VP-Klubobmann August Wöginger wieder verstärkt im medialen Fokus. Auch wenn sich der Korruptionsverdacht gegenüber Politikern in OGM-Umfragen der letzten 15 Jahre verdoppelt hat: Die Politik in Österreich gilt nicht als übermäßig korruptionsanfällig: Nur 16% halten die heimischen Politiker für korrupter als die durchschnittlichen europäischen Politiker, 67% für gleich korrupt, 9% für weniger korrupt. Bemerkenswert: Selbst unter den Anhängern der Oppositionsparteien glaubt nur eine Minderheit (22% der FP-Wähler und 24% der Grün-Wähler), dass die heimischen Politiker korrupter wären.

Diese etwas nonchalante Haltung hat Tradition: Vor 15 Jahren waren Österreichs Medien voll mit Korruptionsvorwürfen (Strasser, Grasser/Buwog, Telekom, Eurofighter), ein OECD-Experte bezeichnete Österreich als „Korruptionsoase“ und die Rolle der WKStA wurde in Folge deutlich gestärkt. Auch damals glaubte aber nur eine Minderheit von 8%, die heimische Politik sei korrupter als anderswo.

Sind die Österreicher abgestumpft, vergessen sie vieles, halten sie Parteibuchwirtschaft für normal? Vielleicht ist das Problem auch objektiv betrachtet nicht so gravierend, auch wenn jeder Korruptionsfall natürlich einer zu viel ist. Im Korruptionsindex von Transparency International liegt Österreich aktuell auf Platz 21 von 182 Ländern (2011: Platz 16) – zwar kein Spitzenplatz und mit Luft nach oben, aber auch kein Desaster.